Zum Inhalt springen

Ein Produkt von Dr. Sarafi Rechtsanwälte ↗ — der Kanzlei hinter einigen der größten Creator Deutschlands

UrteilPlattformrechtVertragsrechtrechtskräftig

BGH · Urteil vom 29.07.2021 · III ZR 179/20

Plattformen dürfen nicht ohne Anhörung sperren

Der BGH erklärt Lösch- und Sperrklauseln eines sozialen Netzwerks für unwirksam, soweit sie keine Information über die Entfernung und keine Möglichkeit zur Gegenäußerung vorsehen.

Verfahrensstand
abgeschlossen
Ergebnis
Erfolg Creator-Seite
Plattformen
Alle Plattformen
Konflikttyp
Accountsperre, Content-Löschung, AGB-Kontrolle

Sachverhalt

Ein Netzwerk hatte Beiträge gelöscht und Konten vorübergehend gesperrt, gestützt auf eigene Gemeinschaftsstandards zu „Hassrede“ — ohne die Betroffenen vorab oder unverzüglich danach anzuhören.

Entscheidung

Die AGB-Klauseln sind nach § 307 BGB unwirksam: Die Plattform muss über Entfernungen informieren und bei Kontosperren grundsätzlich vorab anhören.

Tragende Gründe

Plattformen dürfen Kommunikationsstandards setzen, müssen aber die mittelbare Drittwirkung der Grundrechte der Nutzer berücksichtigen; verfahrenslose Sanktionen benachteiligen Nutzer unangemessen.

Redaktioneller Leitsatz

Sperr- und Löschklauseln ohne Anhörungsverfahren benachteiligen Nutzer unangemessen und sind unwirksam.

Was das für Creator bedeutet

Der zentrale Hebel gegen intransparente Sperren: Wer ohne Begründung und Anhörung gesperrt wird, kann Wiederherstellung verlangen. Grundlage fast jeder Account-Eskalation.

Praktische Schritte

  • 01Sperrmitteilung und fehlende Begründung dokumentieren
  • 02Anhörung und Wiederherstellung unter Fristsetzung verlangen
  • 03Bei laufendem Umsatzverlust Eilrechtsschutz prüfen

Quelle & Prüfstatus

Fundstelle
Pressemitteilung BGH; amtliche Veröffentlichung
Geprüft am
2026-08-16 · Dr. Sarafi Rechtsanwälte